Die ersten 100 Jahre SIW 

Bild: Foto: 100Jahre SIW, Lissy Gröner, Getrude Mongella, Heidemarie Wieczorek-Zeul
Preisträgerin Gertrude Mongella aus Tansania

Die Frauen waren in der Politik des 19. Jahrhunderts unsichtbar und illegal.

Wir Frauen selbst änderten das, oft gegen Widerstände aus den eigenen Reihen.

Beim SIW Jubiläum 2007 ehrten wir  Gertrude Mongella, die erste Präsidentin des Panafrikanischen Parlamentes für ihr Lebenswerk. Die Laudatio hielt die  deutsche  Ministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Heidemarie Wieczorek-Zeul

Sozialistinnen an der Spitze für gleiche Rechte

Bild: Foto: Stuttgart, 100 Jahre  SIW, Internationaler Frauen-Kongress 1907, Lissy Gröner, Widmung Mongella

Gertrude Mongella lernte ich kennen als Generalsekretärin der Vierten UN-Weltfrauenkonferenz, die sie mit viel Geschick leitete. Dort und an dem parallel dazu stattfindenden NGO-Forum im September 1995 in Peking nahmen 47.000 Teilnehmerinnen, darunter 6000 offizielle Delegierte aus 189 Ländern teil. Die Konferenz stand unter dem Motto "Handeln für Gleichberechtigung, Entwicklung und Frieden". Ich war Delegierte und Berichterstatterin für das EP. Später wählte das Pan Afrikanische Parlament die Tansanische Politikerin zur ersten Präsidentin, des nach dem Vorbild des EP aufgebauten Parlamentes.

"Ich bin - weil du bist"

dieses Bantu Sprichwort schrieb sie mir als Widmung in meine Festschrift.

Für unsere Fraktion hatte ich Postkarten und Sticker für unsere Kampagne entworfen:

Die Hälfte der Erde

Die Hälfte des Himmels

Die Hälfte der Macht

Im Bild die Gründungsdelegierten der Sozialistischen Fraueninternationale von 1907.

GründungsKongress 1907 mit Clara Zetkin

Bild: Foto:  Clara Zetkin und Rosa Luxemburg

Zwei große Frauen der deutschen Arbeiterbewegung Rosa Luxemburg und Clara Zetkin gingen gemeinsam und doch  unterschiedliche Wege. Während die aus Polen stammende Rosa Luxemburg, später den Spartakusbund und die Kommunistische Partei mitbegründete, machte   sich  Clara Zetkin an die Arbeit, um die politischen  Frauenrechte in Deutschland und international zu organisieren. Bis dato war Geschichte "his-story"  "seine-Geschichte" meist von Männern gemacht und aufgeschrieben worden.

Am Anfang der Internationalen Arbeiterbewegung war es Frauen gesetzlich verboten, sich politisch zu engagieren. Beim Arbeiterkongress 1871 beschlossen trotz Verbot die 389 Delegierten, darunter 8 Frauen, den Parteien Frauensektionen vorzuschlagen.

Lohngleichheit und bessere Arbeitsbedingungen waren ihre Hauptforderungen. Das allgemeine und gleiche Wahlrecht wurde 1896 erstmals eingefordert. Die Genossen zeigten sich solidarisch und unterstützten die Frauen.

Die Erste Internationale Sozialistische Frauen Konferenz 1907 in Stuttgart beschloss, eine Frauensektion der SI mit Clara Zetkin an der Spitze, zu gründen.

8. März Internationaler Frauentag

Der Kampf um politische Rechte der Frauen sollte gemeinsam mit den Männern mit dem Ziel einer sozialistischen Gesellschaft geführt werden. Die 58 Delegierten aus europäischen und aussereuropäischen Ländern hatten die Fackel entzündet eine demokratische Zukunft herbeizuführen.

Ein  weiterer  Meilenstein Beschluss folgte:  "Ab  1911 wird jährlich  der 8. März zum Internationalen Frauentages als sozialistischer Kampftag für die Rechte der Frauen organisiert!" Damit wurde eine Tradition begründet, die bis heute unzählige Veranstaltungen und Aktivitäten zur Gleichstellung hervorgebracht hat. Leider wissen viele die Ursprünge des "Kampftages für die Rechte der Frauen" nicht. Es ärgert mich dass schlampig recherchierende JournalistInnen "Weltfrauentag" schreiben oder  historisch falsche Berichte am 8. März publizieren.

Viele Fragen, die uns heute noch beschäftigen, wurden damals schon diskutiert: besserer Zugang zu Bildung - Frauen durften nicht zu den Universitäten, Verbot der Kinderarbeit, Lohngleichheit, Friedenssicherung, Gewalt gegen Frauen ...

 

Die Schwestern damals bauten die Fundamente, auf denen unsere politische Arbeit fußt. Bei dem Friedenskongress der Internationale 1912 in Basel wurde ein letzter Versuch unternommen, den heraufziehenden Krieg abzuwenden. Clara Zetkin schloss ihre vielbeachtete Rede mit dem Beitrag, dass die kapitalistische Ordnung eine großer Menschenfresser sei...  Sie verurteilte den Massenmord der Völker untereinander und gipfelte mit der Losung :

"Krieg dem Kriege".

Es war jedoch zu spät. Wenige Tage bevor die dritte Frauenkonferenz in Wien stattfinden sollte, brach der erste Weltkrieg aus. SozialistenInnen wurden als die "Vaterlandslosen Gesellen"  denunziert, weil sie die Waffen nicht gegen Arbeiter aus anderen Völkern erheben wollten. Der Krieg verschlang zunächst die Idee der Internationalen Solidarität.

Die Gleichheit - erste Frauenzeitschrift

Bild: Foto: Die Gleichheit Titelblatt 1917,

Die Zeitschrift erschien vierzehntäglich und war ungefähr zehn Seiten stark. Für das Jahr 1900 wurde eine Auflagenhöhe von 4000 Exemplaren geschätzt. Während des Ersten Weltkrieges stieg die Zahl der Abonnenten auf 125.000. Damit war Die Gleichheit ein Massenblatt, proletarisch- feministisch.  Der Leitartikel wurde zur Zeit von Zetkins Leitung von ihr selbst verfasst und in der Regel anonym veröffentlicht. Der zweite Teil enthielt mit der Rubrik "Kleine Nachrichten" Informationen zur Frauen- und Arbeiterinnenbewegung aus Deutschland und dem Ausland. Seit der internationalen Frauenkonferenz von 1907 war die Zeitung Organ der internationalen sozialistischen Frauenorganisationen. Hinzu kamen Geschichte, Erzählungen von anderen Autorinnen, die als Fortsetzungsgeschichten erschienen und in der Regel das Leben von Arbeiterinnen thematisierten. Seit 1897 kam ein Notizteil hinzu, an dem Lily Braun mitarbeitete. Dort wurden Informationen zum Frauenwahlrecht, zu Arbeitsbedingungen von Arbeiterinnen, aber auch Berichte zur bürgerlichen Frauenbewegung, zur Sozialgesetzgebung oder zur Fürsorge für Frauen und Kinder veröffentlicht.

Nach dem ersten Weltkrieg fanden sich 1923 in Hamburg 93 Delegierte aus 23 Ländern um eine neue Sozialistische Internationale zu gründen. Das Wahlrecht für Frauen war in einer Reihe Länder verwirklicht: Dänemark 1915, Russland und Niederlande 1917, Deutschland, Österreich, Tschechoslowakei, Polen, Ungarn, Lettland, Litauen, und Estland 1918, Luxemburg 1919 und Belgien 1921.Das allein war nicht genug ...

Die Frau und der Sozialismus - August Bebel

Bild: Foto: EP, August Bebel, Lissy Gröner oneworld4all.de

August Bebels Einfluss auf die Entwicklung der sozialdemokratischen Frauen- und Arbeiterbewegung war größer als die jedes anderen Politikers seiner Generation. Er war hauptverantwortlich für die Organisation der Partei und prägte weitgehend ihren Kurs und ihr Bild in der Öffentlichkeit.August Bebel verstand sich selbst nie als sozialistischer Theoretiker. Tatsächlich war er jedoch für die Entwicklung der Partei auch als Autor   enorm wichtig. Die Behandlung der Frauenfrage durch Bebel als  "Nebenwiderspruch" im Gegensatz zum "Hauptwiderspruch", nämlich dem Klassenkampf, stieß in Kreisen der radikalen Frauenbewegung  auf Widerspruch. Die  "Die Gleichheit"  räumte Bebels Sicht zur Frauenfrage viel Platz ein und wirkte vor allem in die proletarische Frauenbewegung hinein.

50 Jahre nach Erscheinen des Longsellers "Die Frau und der Sozialismus" sprach die im radikalen Flügel der bürgerlichen Frauenbewegung verwurzelte Frauenrechtlerin Minna Cauer in der von ihr herausgegebenen Zeitschrift "Die Frauenbewegung" Bebel ihren Dank aus und hielt fest, dass in diesem Werk alles vorhanden sei, was nötig sei, um die Sache der Frau voranzubringen, nämlich Hoffnung, Zukunftsträume und Ermunterung.

1933 fand sich "Die Frau und der Sozialismus"  auf den Schwarzen Listen der Nazis bei Bücherverbrennungen wieder.


Mein privates Exemplar kriegten sie nicht! ....

Die zehnte Auflage vom J.H.W. Dietz Verlag Stuttgart

Exemplar 28 des Arbeiter Verein Glaisshammer & Umgebung und der Freien Sänger Gleißhammer mit Bibliothek-Ordnung.

Neustart nach dem Zweiten Weltkrieg

In Zürich kamen die Sozialdemokratinnen nach dem Krieg 1947 wieder zusammen.Sie beschlossen die Internationale wieder aufzunehmen und ein Bulletin herauszugeben und mit einer Konferenz 1948 in Wien zu starten. Es wurden Beobachterinnen zugelassen und das Spektrum der teilnehmenden Länder erweitert. Mitte der 50er Jahre beschlossen die Frauen Statuten und wählten fortan eine Präsidentin der Fraueninternationale.

Inhaltlich wandte man sich mehr aussereuropäischer Themen zu Frauen in unterentwickelten Ländern wurde ein Schwerpunkt, zweiter Bereich Atomwaffen und Frieden im Angesicht des Ost - Westkonfliktes und atomarer Aufrüstung. Bildung und Frauen in Parlamenten, sowie die Organisation des Alltags blieben Dauerthema.

Der Kongress 1957,  50 Jahre nach der Gründung,  beschäftigte sich stark mit der Frage: Wozu brauchen wir eine Fraueninternationale? Das internationale Netzwerken, gegenseitige Ermutigung und gemeinsamer Druck auf die Parteien war damals vorrangig und es wurde Geld gesammelt um Delegierten aus Entwicklungsländern die Teilnahme am Kongress und an politischen Schulungsmaßnahmen zu ermöglichen. Beim nächsten Hamburger Kongress 1959 startete das Stipendienprogramm

Das Thema berufstätige Mütter und Familienleben wurde von Käte Strobel eingeleitet, später Familienministerin und Europapolitikerin. Erstmals beschloss ein Kongress einen Atomteststopp. Der Einfluss der weitentwickelten skandinavischen Sozialdemokratischen Parteien wuchs.

In der SI wurden Willy Brandt , Olof Palme und Bruno Kreisky die Leitfiguren. Der noch nach der Gründung der SI vorherrschende Internationalismus wich im Verlauf der 50er und 60er Jahre einer zunehmenden Eurozentriertheit und unterstützte die Organisation die sozialdemokratischen Parteien in Griechenland, Spanien und Portugal beim Übergang von den Diktaturen zur Demokratie. Annemarie Renger wurde 1972 zur ersten weiblichen Bundestagspräsidentin gewählt. Beim SI-Kongress in Genf 1976 steuerte die Organisation auf ihre internationale Öffnung hin und öffnete sich zu den Befreiungsbewegungen in Afrika und Mittelamerika.

Frieden - Abrüstung - Entwicklung

Fortsetzung der Aktivitäten der Sozialistischen Internationale ...

In neuen Blog-Artikeln

August Bebel-Postkarten wurden von der ASF Schleswig-Holstein herausgegeben.

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Kommentare: 1
  • #1

    Petra (Sonntag, 08 März 2015 09:31)

    der Kampf um Gleichberechtigung ist noch nicht gewonnen - da gibt es wichtige Fortschritte, aber auch heftigen Gegenwind,